Eine Reise nach Italien im Jahr 1938
Teil III: Fahrt durch Österreich
Dienstag, den 16. August
Am Morgen der Himmel noch voll dunkler Wolken. Doch während des Rundganges durch Salzburg klärte sich der Himmel auf und ein wunderbarer Anblick auf die Berge bot sich unseren Augen.

Abgeschmiert getankt gewassert fertig zur Fahrt in die Berge.

Von Salzburg aus führte unser Weg über Hallein durch das wildromantische Salzachtal mit seinen steil emporragenden Felswänden. Im Hintergrund sichtbar die Spitze des steinernen Meeres
Anmerkung: Das Steinerne Meer ist ein
Teilgebirge der Alpen
sowie die schneebedeckten Gipfel des Dacheingebirges. Am frühen Nachmittag erreichten wir den Anfang der Großglocknerstraße und nahmen in Vorfusch Quartier, machten noch eine Fußtour auf die Hofalm und besuchten gegen Abend Zell am See.
Blick von der Hofalm:

Mittwoch, den 17. August
Bei herrlichstem Sonnenschein begannen wir morgens die große Fahrt zur Bezwingung der Großglocknerstraße. Für die Benutzung mussten wir eine Mautgebühr von 4 Reichsmark für jede Person entrichten.
Die Hochalpenstraße ist der größte und modernste hochalpine Straßenbau der Gegenwart, sie führt aus den Niederungen der Talsohle in die Eisregionen der Viertausender.
Anmerkung: Die Großglockner-Hochalpenstraße wurde
Anfang der 30er Jahre zunächst durch private Betreiber
erschlossen. Nachdem diese in Zahlungsschwierigkeiten gerieten,
musste letztlich der österreichische Staat einspringen. Die
Baukosten von 6 Millionen Schilling belasteten den Staat in der
Rezessionszeit schwer. Am 3. August 1935 konnte die Straße
eingeweiht werden.
Schon aufgrund der witterungsbedingt langen Sperrungen
meist von Oktober bis Mai spielt die Route tatsächlich
bis heute keine wesentliche Rolle im Alpenverkehr, sondern dient
vornehmlich touristischen Zwecken. Sie ist auch heute eine
mautpflichtige Straße, die dem Land Österreich und den
Bundesländern Salzburg und Kärnten gehört.
In immerwährender Steigung wurde eine Kurve nach der anderen überwunden und in kurzer Zeit erhebliche Höhenunterschiede erreicht.
Manch kleines Wägelchen stand matt und dampfend vor Überanstrengung an einer der vielen Wasserdienststellen. Wir hielten uns an einen guten Rat eines Salzburger Kraftfahrers: Fahren`s nur imma schö` gmütli!
Nach 27 km Fahrt bei 10 km Tempo im 1. Gang waren wir am Fuschertörl in 2450 m Höhe. Ein außerordentlich schöner einzigartiger Ausblick auf den Brennkogel mit Gletscher veranlasste uns zu einer längeren Rast.



Am Fuschertörl Aufstieg zur Edelweißspitze 2571 m. Auf der Höhe angelangt, sahen wir nicht nur die Kühnheit der angelegten Straßenanlagen, sondern genossen auch die Pracht von einem der schönsten und aussichtsreichstem Berggipfeln der Ostalpen. Man überblickt hier 37 Viertausender und 19 Gletscherfelder. Ein überwältigender Eindruck bei denkbar bester Fernsicht.
Ausblick von der Edelweißspitze:

Blick in die Ferne:

Zwischen Fuschertörl, Mitteltörl und Hoftörl:


Die höchste Stelle der Fahrt das Hochtor ist glücklich ereicht.

Auch hier wieder eine wunderbare Fernsicht bis zu den Berggipfeln der weitausgebreiteten Schobergruppe.
Parkplatz Hochtor 2503 m:

Hochtorltunnel, 2504 m:

Vom Hochtor beginnt die Straße ins Mölltal abzufallen.
Jedoch bei Guttal ist der Abzweig zum Großglockner-Haus und zur Franz-Joseph-Hütte welche unser nächstes Ziel waren.
Wegen des ungeheuren Autoverkehrs auf dieser Strecke wurde uns geraten, heute noch im Guttal zu bleiben. Wir befolgten den Rat und fanden eine idyllische Bleibe für die Nacht in einer Almhütte, allerdings mussten wir den Schlafraum mit mehreren fremden Gästen teilen.
Ein kleiner Spaziergang füllte den Rest des Tages aus, wobei wir noch ein rasch vorüberziehendes Hochgebirgsgewitter erlebten.
Donnerstag, den 18. August
Wieder musste der Wagen nur im 1. Gang arbeiten, um die gewaltige Steigung bis zur Franz-Joseph-Höhe zu überwinden. Aber auch dies war bald geschafft. Auf dem Parkplatz angelangt lag uns der Großglockner mit seinem schnee- und eisgepanzerten Trabanten von herrlich strahlender Morgensonne beschienen gegenüber.
Blick über den Parkplatz auf den Großglockner dazwischen der Pasterzengletscher:

Schön doch beschwerlich war auch ein Abstieg nach dem Pasterzengletscher.

Ein etwa 3stündiger Aufenthalt auf der Franz-Joseph-Höhe, um das stolze Bergmassiv der deutschen Hochgebirgswelt in uns aufzunehmen. Im Hintergrunde auslaufend in die Venedigergruppe, bereits zu den italienischen Alpen gehörend.
Anmerkung: Da musste ich mich von einem Österreicher belehren lassen und gebe diese Belehrung gleich weiter an die Autorin des Reiseberichts: Trotz des Namens gehörte und gehört die Venedigergruppe zum allergrößten Teil zu Österreich.
Noch oft haben wir uns auf der Rückfahrt in`s Mölltal umgesehen, um immer wieder den stolz dastehenden höchsten Berg Deutschlands zu bewundern.
Deutschlands höchster Berg der Großglockner 3798 m.

Anmerkung: Wie schon in der Vorbemerkung
angesprochen man beachte die Wortwahl - höchster
Berg Deutschlands
In dauernder Abfahrt ging es bis wir den herrlich gelegenen weltberühmten Heiligenblut erreichten.
Anmerkung: Na ja, so weltberühmt ist es nicht.
Vielmehr ein typischer Touristenort, der in den 30er Jahren durch
den Bau der Großglockner-Straße einen Aufschwung erlebte.

Nach kurzem Verweilen nahmen wir südlichen Kurs und fuhren im Mölltal aufwärts über Winklern und den Iselberg. Am Südabhange bot sich uns eine wunderschöne Aussicht in das Drautal, begrenzt von den Lienzer Dolomiten und der Stadt Linz, welches unser heutiges Tagesziel bilden sollte.
Doch ehe wir Lienz erreichten wurde am Iselberge noch einmal ausgiebig gerastet und in ausgelassener Stimmung gelacht und gescherzt.
In Lienz erlebten wir auch dafür eine kleine beängstigende Aufregung. Infolge unvorsichtigen Handhabens mit dem Spirituskocher wäre im Hotel beinahe ein Zimmerbrand entstanden, doch konnte noch rechtzeitig durch kühnes Eingreifes das Schlimmste verhindert werden.
Im hohen Bogen flog die brennende Spiritusflasche und hinterher ein feuriger Schlafanzug auf die Straße. Die letzten Spuren dieses glimpflich abgelaufenen Erlebnisses sind im nebenstehenden Bilde festgehalten.
