Eine Reise nach Italien im Jahr 1938

Teil V: Rückfahrt durch Oberitalien

Am Montag, den 22. August

hieß es nun Abschied nehmen von der schönen Adria und Venedig. Das nächste Ziel sollte der Gardasee sein. Wir durchfuhren in westlicher Richtung wieder endlose Wein- und Maisfelder bis uns ein an der Straße gelegener Prachtbau zum Halten veranlasste; es war das königliche Schloss Stra.

 

Hier schmiedeten Hitler und Mussolini die Achse Berlin-Rom.

Anmerkung: Gemeint ist die Villa Pisani im venetischen Ort Stra, die aber trotz des Namens weniger eine Villa als ein veritables Schloss darstellt. Hier trafen sich 1934 Mussolini und Hitler zum ersten Mal.
Das Verhältnis zwischen Mussolini und Hitler ist nicht uninteressant. Hitler war ein Bewunderer Mussolinis. Als Mussolini mit seinem "Marsch auf Rom" 1922 die Macht in Italien übernahm, wollte Hitler dies ein Jahr später mit dem schon oben angesprochenen Putsch in München und einem anschließenden "Marsch auf Berlin" nachmachen. Der Putsch scheiterte und dies trug dazu bei, dass Mussolini Hitler zunächst recht herablassend betrachtete. Dies änderte sich auch nach dem Machtantritt nur zögerlich, zumal Hitler bei seinem ersten Zusammentreffen mit Mussolini in einem zerknitterten Trenchcoat nicht gerade Eindruck schindete, während Mussolini gerne in perfekten Uniformen auftrat.
Doch schon bald musste Mussolini erkennen, dass Hitler ein ernst zu nehmender Faktor in Europa war. Und schon wegen der grundsätzlich gleichgerichteten Interessen kam es im Oktober 1936 zum deutsch-italienischer Vertrag und damit der „Achse Berlin Rom“.
Im 2. Weltkrieg spielte Italien eine sehr aktive Rolle. Schon im April 1939 – also 5 Monate vor dem offiziellen Beginn des 2. Weltkrieges – besetzte Italien Albanien. Nach den ersten militärischen Erfolgen des Deutschen Reichs mischte sich Italien ab 1940 durch verschiedene Feldzüge richtig ein. Für Hitler brachte dieser Pakt letztlich wenig Erfreuliches, musste doch die deutsche Wehrmacht immer wieder den in die Klemme geratenen italienischen Streitkräften zur Hilfe eilen, so in Griechenland und in Nordafrika, was zur weiteren Zersplitterung der deutschen Truppen führte.
Nach den alliierten Erfolgen seit dem Juni 1944, insbesondere seitdem amerikanische Truppen von Süditalien immer weiter Richtung Norden vorstießen, erhoben sich Teile des italienisches Volkes und entmachteten Mussolini. Zwar gelang es deutschen Soldaten, Mussolini wieder zu befreien, doch schon bald darauf geriet der "Duce" erneut in italienische Gefangenschaft und wurde kurzerhand gehängt.

Nach kurzer Zeit erreichten wir Padua, eine saubere feine Stadt mit dem weltberühmten Dom des Heiligen Antonius. Bei der Besichtigung dieses Domes – die zu den schönsten Erlebnissen der Fahrt zählt – hatten wir auch Gelegenheit gerade einer heiligen Messe beizuwohnen.

In der Stadt selbst ergänzten wir unseren Proviant – hauptsächlich durch Südfrüchte, Wein und Pfirsiche, welche hier besonders preiswert zu kaufen waren (1 kg = une lire venti = 16 Pfg.)

Bald hatten wir wieder unsere Plätze im Wagen eingenommen und der Motor sang sein eintöniges Lied; immer das gleiche Landschaftsbild – fruchtbare Mais- und Weinfelder durchsetzt mit Grünstreifen und üppigen Akazien-, Pinien- und Olivenhainen.

So erreichten wir über Vicenza die Stadt Verona mit ihrem imposanten Amphitheater und sehenswertem Friedhof.

Nach kurzer Fahrt – mit dem Blick auf die fernen Alpengipfel – gelangten wir zum Gardasee. Im Fischerdörfchen Sirmione – auf einer Landzunge gelegen – blieben wir zur Nacht.

 

Am Dienstag, den 23. August.

In Sirmione und überhaupt am Gardasee erlebten wir ein kleines Stück Afrika. Menschen aus aller Herren Länder kommen mit den Schiffen und Autos hierher, um die tropisch anmutenden Schönheiten des Gardasees zu bewundern.

Während wir durch unseren Auto-Rundfunkempfänger erfuhren,

Anmerkung: Auch eine neue Erfindung. Jedenfalls in Deutschland, wo Autoradios erst 1934 auf den Markt kamen. Die Benutzung eines solchen Rundfunkempfängers zeigt, dass das Ehepaar Meinel recht wohlhabend gewesen sein muss. Kostete doch ein Rundfunkempfänger zu dieser Zeit gut noch deutlich über 300 Reichsmark, also ein Achtel des Preises für den Olympia.

dass es zu Hause in Deutschland trübe und regnerisch sei und in den höheren Lagen sogar Schnee gefallen sein sollte, war am Gardasee noch Hochsommer.

Die Sonne brannte heiß und die klaren, blauen Fluten verleiteten uns zu einem ausgedehnten und erquicklichen Bade.

Eine Illustration aus dem Fotoalbum:

Die Weiterfahrt führte uns am westlichen Ufer des Sees entlang auf einer gigantisch angelegten Felsenstraße durch eine Unmenge Tunnel. Nach 80 km genussreicher Fahrt gelanten wir über Gardona nach Riva und Torbole. Hier hieß es wieder Quartier machen für die Nachtruhe.

Anmerkung: Gemeint sind die Orte Gardone Riviera und Riva del Garda

Am Mittwoch, den 24. August,

verließen wir das reizende Stück Erde am Gardasee.

Von Riva führte der Weg mit erheblichen Steigungen nach Trient und im Etschtal weiter nach Bozen – der einstmals deutschen Stadt.

Anmerkung: Bozen (ital. Bolzano) ist eine der südtiroler Städte, die nach dem 1. Weltkrieg an Italien fiel. Während in den ländlichen Gebieten Südtirols die deutschsprachige Bevölkerung nach wie vor die Mehrheit stellt, hat sich dies in den Städten nicht zuletzt aufgrund des starken italienischen Drucks und einer ständigen italienisch-sprachigen Zuwanderung gewandelt. Bozen ist hierfür ein gutes Beispiel, da dort nur noch 26 Prozent der Bevölkerung der deutschsprachigen Volksgruppe zugehörig sind.

Noch schöner gefiel es uns jedoch in der Stadt von Weltruf „Meran“. Auf den Bergen ist Wintersport Trumpf – im Tale blühen bereits die Bäume.

Um von Meran wieder nach Deutschland zu gelangen, mussten wir wieder die Alpen überqueren und entschieden uns für die Fahrt durch das liebliche Passeiertal in Tirol, wo wir bald St. Martini und nach kurzer Fahrt St. Leonardi erreichten.

In Andreas Hofers Geburtshaus fanden wir ein nettes Quartier und besichtigten das im gleichen Haus eingerichtete Museum, sowie die Kapelle des großen Freiheitshelden Andreas Hofer.

Anmerkung: Das Gasthaus „Sandwirt“, das Geburtshaus Hofers, das auch heute noch als Museum dient.
Der Südtiroler Gastwirt Andreas Hofer (1767 – 1810) war Anführer des Tiroler Heeres, das im Freiheitskampf der Tiroler gegen die ausländische Okkupation während den Befreiungskriegen 3 mal die napoleonischen und bayerischen Truppen schlagen konnte. Letztlich ging es aber schief, da die Südtiroler 1809 eine heftige Niederlage kassierten. 1810 wurde Hofer gefangen genommen und erschossen. Hofer ist bis heute eine (nicht mehr ganz unumstrittene) Symbolfigur des Südtiroler Widerstandes.

Hier wurde uns auch wieder von dem Leid der deutschen Südtiroler unter Italien erzählt.

Anmerkung: Hatten die Reisenden eigentlich auch das gleiche Mitgefühl mit den Juden?

 

Zur letzten Etappe geht es hier