Eine Reise durch die USA im Jahr 1924
Teil 3: Yellowstone National Park
Nach Zwischenstation in Cody - Heimatort von "Buffalo Bill" Cody und heute einer der Orte rund um den Yellowstone, die fast ausschließlich vom Tourismus leben - geht es durch den Shoshone Canyon
Bild 27:

Shoshone Canyon in den Yellowstone National Park. 1872 war hier der erste amerikanische Nationalpark eingerichtet worden.
Natürlich haben unsere Reisenden den Nationalpark erkundet. Die folgenden Bilder zeigen Impressionen aus dem Park, die heute auch nicht viel anders aussehen.
Die thermischen Gebiete mit heißen Quellen etc.:
Bild 28:

Das folgende Bild zeigt die thermische Quelle "Dragon`s Mouth". Man beachte bitte, wie viel Müll in der Quelle liegt - zum damaligen Zeitpunkt wohl leider ein eher typisches Bild. Im Extremfall führte die Verschmutzung dazu, dass die heißen Quellen oder auch Geysire vollkommen zum Erliegen kamen.
Bild 29:

Heute ist es da sauber - danke an MichaelAC für das Bild 29a:

Der Grand Canyon of the Yellowstone mit seinen gelben Wänden (die dem Fluss und damit dem Gebiet ihren Namen gaben) und seinen berühmten Wasserfällen wird natürlich auch besichtigt.
Bild 30:

Ein Vergleichsfoto Bild 30a - sieht natürlich immer noch genauso aus - danke an Markus:

Bild 31:

Das gibt es natürlich auch heute noch und sieht auch genauso aus (danke an Uli für das Bild 31a):

Die Sinterterrassen der Mammoth Hot Springs
Bild 32:

Auch das gibt es natürlich heute noch. Allerdings sind die Sinterterrassen wegen geänderter Wasserströme - die thermischen Aktivitäten und damit die Wasserzufuhr schwanken sehr stark - in den letzten Jahren weitgehend trocken gefallen und damit leider nur noch "grau-in-grau". Von Uli habe ich aber noch ein Bild 32a, wie es ausgesehen hat.

Der sogenannte "Tower Roosevelt" mit seinen Basaltsäulen
Bild 33:

Heute sieht es da so aus (Dank an Olaf):
Bild
33a

Zum Bild des Tower Roosevelt wird im Album stolz vermerkt, dass Michigan 174-656 - so wohl das Kennzeichen ihres Fahrzeugs - 10.000 Fuß Höhe erreicht hat. Wirklich eine stolze Leistung.
Wenn es denn stimmen würde!
Denn tatsächlich ist dieser Punkt ca. 1.900 Meter hoch. Es gibt zwar einige Berge im Yellowstone, die über 3.000 Meter hochgehen, aber die Straßen sind kaum über 2.200 Meter über dem Meeresspiegel. Hier müssen sich unsere Reisenden getäuscht haben.
Das folgende Bild wird mit der liebenswürdige Buffalo bezeichnet.
Bild 34:

Anscheinend der einzige Bison, den unsere Reisenden sehen. Dies ist allerdings auch kein Wunder. Nachdem 1902 aufgrund der starken Bejagung im gesamten Gebiet der USA gerade noch 23 freilebende Bisons im Yellowstone National Park vorhanden waren, dürfte die Zahl 1924 kaum mehr als einige Dutzend betragen haben, die zudem zu Zuchtzwecken in einem Bereich konzentriert wurden. Das heute übliche Bild von Hunderten von Bisons war damals also nicht möglich.
Auch in einer anderen Hinsicht hat sich einiges gewandelt. Diese Fotos zeigen Grizzlybären, die man heutzutage entlang der Straßen kaum sieht.
Bilder 35 + 36:


Was sie dort wollten, sieht man auf den nächsten Fotos.
Bilder 37 + 38:


Hier werden von unseren Reisenden (die wir so
mal auch aus der Nähe sehen) Bären allerdings junge
Braunbären gefüttert. Diese Praxis war im Park zu dieser
Zeit nicht nur geduldet. Nein, es wurde sogar vom National Park
Service selbst getan, um so dem staunenden Publikum lebende
Bären vorzuführen. Liest man alte Reiseberichte so wird
eigentlich in jedem Bericht erwähnt, dass Bären gezielt
gefüttert wurden oder jedenfalls die Bären sich an Müllhalden
bedienten und dabei beobachtet werden konnten.
Diese eigentlich kaum zu glaubende Praxis habe ich auf einer
alten Bildpostkarte dokumentiert gefunden. Am 30. August 1907
schreibt der Deutsche Richard Cords vom Yellowstone diese
Ansichtskarte an Frau Else Söldner in Leipzig:

Die Aufschrift der Postkarte: "Yellowstone National Park - Park bear, meal al la 'cart' ". Hier wird also ein Parkbär vom Karren aus gefüttert. Kommentar des Deutschen Ansichtskarten-Schreibers: "Aus einem Land, wo es sogar zahme Bären in Freiheit gibt."
Letztlich zeigt sich hier eine ausgesprochen merkwürdige Haltung zur Natur in den Nationalparks. Diese Parks wurden ja eigentlich dazu etabliert, die Natur in all ihrer Verschiedenheit zu erhalten. Das verstand man aber lange Zeit so, dass nur bestimmte Tierarten geschützt werden sollten. Gewissermaßen wurden die Tiere in "gute" und "schlechte" eingeteilt. Die guten wie z.B. Hirsche, Rehe und eben Bären schützte man, ja unterstützte sie sogar durch Fütterung - die schlechten versuchte man auszurotten. So wurden im Yellowstone gezielt alle Wölfe im Gebiet getötet. Im Grand Canyon National Park wurden Berglöwen sehr stark bejagt, da es angeblich zu viele von ihnen gab. Auf die Idee, dass sich in jedem Park ein ökologisches Gleichgewicht von selbst einstellt und der Mensch deswegen eigentlich gar nicht steuernd eingreifen muss, kam man erst Jahrzehnte später. Erst in den letzten Jahren ist man wirklich dazu übergegangen, die Natur einfach Natur sein zu lassen. Die Wiederansiedlung der Wölfe im Yellowstone zeigt, wie wichtig gerade die Raubtiere für eine vielfältige Natur sind.
(Das Gleiche gilt übrigens auch für natürlich entstehende Feuer, die man über Jahrzehnte als schädlich bekämpfte. Erst in den 80er Jahren hat man wirklich erkannt, dass Feuer ein wichtiges Mittel der Natur zur Erneuerung ist.)
Noch einige Impressionen vom Old Faithful-Bereich.
Der Old Faithful in Ruhe (damals durfte man noch nah heran) :
Bild 39:

Und beim Ausbruch (man beachte die Touristenköpfe am unteren Bildrand - schon damals war man also nicht allein)
Bild 40:

Insgesamt gesehen haben unsere Reisenden ziemlich genau das gleiche Programm absolviert wie es heute üblich ist.