Eine Reise in den Südwesten im Jahr 1940

Einführung

(Gleich vorneweg: die Qualität der gescannten Fotos lässt leider sehr zu wünschen übrig. Trotz aller technischen Bemühungen sind viele schlicht unscharf. Aber erkennen tut man immer noch genug. Da sie aber so schwach sind, habe ich keine Möglichkeit vorgesehen, diese größer zu klicken - es lohnt sich einfach nicht).

Diesmal also eine Reise in den Südwesten im Jahr 1940.

In meinem Bericht über die Reise zweier Deutscher im Jahr 1924 durch die USA hatte ich noch gezeigt, wie mühsam damals das Reisen sein konnte. Zwar war 1923 die erste wirklich durchgehende Straße von New York und San Francisco – der sog. Lincoln Highway – eröffnet worden (wenn auch in weiten Bereichen noch als reine Schotterstraße). Aber ansonsten und abseits dicht besiedelter Gebiete war das Fortkommen noch immer nicht leicht. Gerade bei schlechtem Wetter ein wahres Abenteuer.

Doch innerhalb weniger Jahre hat sich dieses Bild komplett verwandelt. Man muss sich dazu nur die Karten aus jenen Jahren vorhalten.

Im Jahr 1940 gab es Straßenkarten der einzelnen Staaten. Recht detaillierte sogar, kaum zu unterscheiden von den heutigen. Ja, und?

Nun, im Jahr 1924 gab es zwar auch Karten für die einzelnen Staaten, die verzeichneten im Wesentlichen aber die Eisenbahnstrecken. Klar. Wer Anfang der 20er Jahre wirklich verreisen wollte, würde dies im Zweifel noch mit der Eisenbahn tun.

Doch es gab in den USA inzwischen an die 20 Millionen Autos. 20 Millionen! Und die wollte man nicht nur in den Städten und im bekannten Umland fahren. Zudem waren die Autos immer zuverlässiger geworden. Als der Lincoln Highway 1923 eröffnet wurde, nutzten ihn im ersten Jahr schon 80.000 Autos.

Zudem hatte auch der Bundesstaat USA erkannt, dass seine bisherige Politik des Straßenbaus, die diese Aufgabe an die einzelnen Staaten übertragen hatte, nicht weiterführte. Man brauchte für den zunehmenden Autoverkehr auch bundesweit anständige Straßen. Nicht nur im Umkreis der dicht besiedelten Regionen. Man brauchte ein richtiges Straßen-System von Nord nach Süd und – viel wichtiger – von Ost nach West.

Und das machte man dann auch. Als zweiter durchgehender Highway wurde schon 1926 die berühmte Route 66 von Chicago nach Los Angeles eröffnet. Diese war sogar nicht nur geschottert, sondern in Teilen auch betoniert. Man goss dazu einfach vor Ort an der Baustelle Betonplatten.

Als die deutsche Abenteurerin Clärenore Stinnes 1929 bei der ersten mit einem Auto durchgeführten Umfahrung der Welt als letzte Station die USA erreichte, war sie über die dortigen Straßen begeistert. Ohne die geringsten Probleme konnte sie hier mehrere hundert Kilometer am Tag zurücklegen, wo sie zuvor in Russland oder Südamerika im schlechtesten Fall überhaupt keine passierbare Straße gefunden hatte.

Und es ging Schlag auf Schlag weiter: Highways wurden geradezu aus dem Boden gestampft. Und zwar nicht nur Schotterstraßen, sondern auch befestigt. Auch wenn es z.B. bis zum Jahr 1937 dauern sollte, bis die Route 66 wirklich komplett betoniert war.

Man machte sich auch Gedanken, wie das System geordnet werden konnte. Man erfand Mitte der 20er die Zahlen als Bezeichnung für die Highways – gerade Zahlen für Ost-West-Verbindungen, ungerade für Nord-Süd. Der erst vor wenigen Jahren eröffnete Lincoln Highway wurde kurzerhand die Interstate 30. Und man erfand viele der auch heute noch gebräuchlichen Verkehrszeichen wie das Stopschild.

Innerhalb weniger Jahre veränderte sich das Straßenbild der USA komplett. Was früher ein Risiko war, nämlich einfach mit einem Auto über Land von A nach B zu fahren, wurde jetzt zum Vergnügen. Gerade in den dichter besiedelten Gebieten war die Infrastruktur bald hervorragend. Eine Zählung am Highway zwischen New York und New Haven ergab Anfang der 30er Jahre, dass der Reisende im Durchschnitt alle 300 Meter eine Tankstelle und alle 600 Meter ein Restaurant oder Diner passierte.

Als unsere Reisenden 1940 aufbrachen, war also das Reisen – wie wir auch sehen werden – schon sehr einfach geworden. Die Idee, einfach mal zum Vergnügen über verschiedene Nationalparks von Ost nach West zu fahren war nicht mehr abwegig. Das Straßennetz war gut, die Parks ausgebaut und genügend Unterkünfte gab es auch.

Dass in Europa seit einem dreiviertel Jahr wieder Krieg geführt wird, stört die Reisepläne offenbar nicht. Der Krieg ist weit weg und die amerikanische Öffentlichkeit nicht gerade darauf erpicht, sich wieder einzumischen. Und da man eben auch nicht im Krieg ist, ist es auch nicht merkwürdig, dass 1939/1940 in San Francisco die lange geplante, internationale Ausstellung World`s Fair, also frei übersetzt der „Markt der Welt“, stattfand. Keine wirkliche Weltausstellung, aber ein wichtiges Ereignis.

Der Besuch dieser Ausstellung war vielleicht der Anlass dieser Reise. Und wenn man schon mal in den Westen fuhr, so wollte man sich wohl auch die neu erschlossenen Nationalparks anschauen, von denen man so viel hörte.

Genug der Einführung.

Hier geht die Reise endlich los. "Taucht" einfach in das Album "ein" - einmal aufs Bild klicken bitte! Und schon geht es zurück ins Jahr 1940......