Eine Reise in den Südwesten im Jahr 1940
Teil 3: Von Mesa Verde zum Grand Canyon
Als ersten Nationalpark erreichen
unsere Reisenden am 6. Juli 1940 den Mesa Verde NP und bezahlen
den Eintritt von 1 Dollar.
Man muss bedenken, dass die Entdeckung der Anasazi-Felsruinen in
diesem Bereich gerade mal 50 Jahre zurücklag. Erst 1888 waren
diese sog. Cliff Dwellings entdeckt worden. 1906 hatte man die
Gegend zum Nationalpark erklärt und 1909 mit der systematischen
Erforschung begonnen. Als unsere Reisenden also dort waren, hatte
man schon gut 30 Jahre geforscht. Liest man die in das Fotoalbum
eingeklebten damaligen Broschüren zum Nationalpark, so hat sich
seither wenig Neues ergeben.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Folgejahre in den 30er Jahren waren für die Nationalparks überraschenderweise ein wahrer Segen gewesen. Denn als Teil der staatlichen Gegenmaßnahmen zur Wirtschaftskrise hatten die USA im Rahmen des so genannten New Deal umfassende Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchgeführt. Dazu gehörte insbesondere der Einsatz des Civilian Conservation Corps, das u.a. den Auftrag erhielt, die neu gegründeten National Monuments und Nationalparks mit der nötigen Infrastruktur auszustatten. So waren im Mesa Verde National Park u.a. die Zugangsstraße erweitert worden, Baumaßnahmen durchgeführt und Erziehungsprogramme für die Touristen gestartet worden.

1940 besuchten übrigens ca. 36.000 Touristen Mesa Verde. Die vergleichsweise geringe Touristenzahl in diesem Park kann man u.a. daran ablesen, dass in der damaligen Parkbroschüre ausdrücklich angeraten wird, mehrere geführte Touren am Tag mitzumachen, um einen umfassenden Eindruck zu gewinnen. Heute ist ja die Zahl der entsprechenden Tickets bei an die 600.000 Besuchern im Jahr stark limitiert.
Unsere Reisenden übernachteten in der Spruce Tree Lodge,

einer Ansammlung von Hütten und Zelten um eine Wirtschaftseinheit, die 1926 in der Nähe des bekannten Spruce Tree House errichtet wurde. Wann diese Lodge aufgegeben wurde, ist mir nicht klar. Spätestens 1964 übernahm die dann neu gebaute Far View Lodge ihre Funktion.
Wen die Preise 1940 interessieren: Die günstigste Übernachtungsmöglichkeit in der Lodge ist ein Platz in einem mit Hotelmobiliar ausgestatteten Zelt. Hier kostet die Übernachtung pro Person 1,25 Dollar. Die teuerste ist die in einer Cabin mit Küchenzeile und Badezimmer mit Dusche für 5,50 Dollar.
Von Mesa Verde aus durchqueren die Reisenden das Navajo Reservat und passieren dabei u.a. den Shiprock,

einer der heiligen Orte der Navajo. Erst ein Jahr zuvor ist dieser ehemalige Vulkankegel zum ersten Mal bestiegen und die Höhe gemessen worden.

Hier können wir erstmals den Wagen
der Reisenden sehen. Es ist ein 1940er Hudson (mit dem
Kennzeichen MA 30099).
Bekanntermaßen brachten (und bringen) ja alle großen
amerikanischen Automarken jedes Jahr ein neues Modell heraus, das
dann nach dem entsprechenden Jahr auch benannt wird. Den 1940er
Hudson gab es mit einem 6- und einem 8-Zylinder-Motor. Das
stärkere 8-Zylinder-Modell mit stattlichen 128 PS rühmt sich
für seine Höchstgeschwindigkeit von knapp 94 Meilen, also ca.
150 km/h.
Die Preise begannen je nach Modell zwischen 670 und 1018 Dollar.
Angeblich waren sie damit wenn man der Werbung glauben
darf der erstaunlichste günstigste Wagen, der je
gebaut wurde. Welches Modell ob 6- oder 8-Zylinder -
genau unsere Reisenden fuhren, kann ich nicht sagen.
Übrigens kann man hier sehr gut die Zahl der Reisenden sehen. 2 Personen neben dem Wagen, eine darin und eine muss auch noch das Foto machen es sind also 4. Ein Mann mit seiner Frau, der Mutter bzw. Schwiegermutter und einer weiteren jüngeren Frau, vielleicht eine Tochter oder eine Schwester.
Als nächstes erreichen unsere Reisenden am 07. Juli 1940 das Petrified Forest National Monument (heute National Park), wo sie diese Eintrittskarte erhalten (das Kennzeichen ist handschriftlich vermerkt).

Dieses National Monument war bereits 1906 als zweites der USA eingerichtet worden, u.a. um dem Raubbau an den dort zu findenden versteinerten Bäumen mittels Dynamitsprengungen Einhalt zu gebieten. 1932 war das geschützte Gebiet dann noch durch Teile der Painted Desert vergrößert worden und hatte damit seine heutige Größe erreicht. Der Eintritt kostet 1940 übrigens 50 Cent.
Nächstes Ziel der Reise ist der Grand Canyon National Park,

den unsere Reisenden am 08. Juli 1940 erreichen.
Auch hier waren ab 1933 permanent 400 bis 600 Arbeitskräfte tätig, die z.B. Straßen bauten oder ausbauten, Zeltplätze anlegten oder auch Erziehungsprogramme für die Besucher durchführten. Hinzu kam der Ausbau des Ostzugangs von Cameron, der 1934 fertiggestellt wurde und der weitere Ausbau der Route 66. Diese Aktivitäten waren auch bitter nötig, hatten sich doch seit der Errichtung des Parks im Jahr 1919 die Besucherzahlen um das Achtfache erhöht. 1919 hatte man an die 44.000 Besucher gezählt. Diese Zahl stieg kontinuierlich an (abgesehen von den Jahren der Depression 1930 bis 1934) und hatte im Jahr 1940 fast 370.000 Besucher erreicht. Also durchschnittlich etwa 1.000 Besucher täglich. Bedenkt man aber, dass die meisten Reisenden in den Sommermonaten anreisen, wird man wohl annehmen dürfen, dass am 8. Juli 1940 mit unseren Reisenden mindestens 3.000 andere Besucher ankommen. Wem das viel erscheint: Derzeit besuchen über 6 Millionen Besucher im Jahr den Grand Canyon.
Die Reiseart hatte sich auch gewandelt. War man in den frühen Jahren vornehmlich mit der Bahn zum Grand Canyon gereist, hatte inzwischen der Autoverkehr überhand genommen.
Unsere Reisenden übernachten direkt am Rim in der erst 1935 erbauten und noch heute vorhandenen Bright Angel Lodge and Cabins.

Eine Übernachtung kostete dort als Doppelzimmer mit Bad ab 4 Dollar. Das Ganze nach dem European Plan. Was das bedeutet? Das hatte ich auch anfangs nicht verstanden, ganz offenbar gab es einen European und einen American Plan gab es hier verschiedene Grundrisse der Zimmer, wenn hier von Plänen die Rede war? Das Ganze ist viel einfacher. Beim amerikanischen Zimmer waren die Mahlzeiten mit inbegriffen, nicht aber beim europäischen. Der Unterschied war immerhin 3 Dollar pro Person, man zahlte also ggf. für die Mahlzeiten mehr als für das Zimmer.
Wenn wir gerade bei Preisen sind: Im Coffee Shop der Lodge kostete ein Essen, sagen wir mal ein Sirloin Steak mit Kartoffeln, Salat und einem Dessert an die 2 Dollar.
Für die Abendunterhaltung unserer Reisenden war auch gesorgt. Wer das volle Programm wollte, sah sich zunächst um 17 Uhr den Hopi-Tanz an. Danach hatte man die Wahl zwischen einer Dia- und Filmvorführung der bekannten Kolb-Brüder über die Befahrung des Colorado oder einer allgemeinen Diashow über den Grand Canyon und seine Umgebung in der Bright Angel Lodge. Danach spielte noch ein Cowboy-Orchester auf.
Unsere Reisenden machten die üblichen Touren entlang des Rim, zunächst den East Rim Drive. Die Begeisterung steht ihnen ins Gesicht geschrieben

Dann den West Rim. Auch hier bei Hermits Rest flippen unsere Reisenden fast aus.

Als Höhepunkt des Tages wird die Oma in den Canyon geschubst.

Dieses Foto

zeigt den Ranger Max Gilstrap. Kennt Ihr nicht? Kannte ich auch nicht. Aber es gibt ja nichts, was nicht im Internet steht. Gilstrap war ein National Park Ranger, der seinen Dienst am Grand Canyon und im Yosemite versah (später wurde er erfolgreicher Journalist). Seine besondere Fähigkeit bestand im Pfeifen. Er konnte die Rufe aller Vögel nachpfeifen. Er war als Pfeifer so erfolgreich, dass er sogar Platten aufnahm und noch heute von Pfeifkünstlern als Vorbild benannt wird. Eine Amerikanerin erinnert sich wie folgt an Gilstrap, als dieser im Yosemite arbeitete:
Ich freute mich jedes Jahr
auf einen Naturspaziergang mit Ranger Max Gilstrap. Er war toll.
Er konnte jeden Vogelruf pfeifen und wir konnten mit ihm im Wald
stehen, während er zu all den schönen gefiederten Freunden
sprach. Ich wurde seiner nie müde. Er hatte einen
kleinen schmalen Schnurrbart so ähnlich wie Hercule Poirot. Nur
nicht so angeberisch.
(I looked forward to a nature walk every
year with Ranger Max Gilstrap. He was wonderful. He could whistle
every birdcall and we would be able to stand with him in the
forest as he "talked" to all the beautiful feathered
friends. I never tired of Ranger Gilstrap. He had a tiny small
moustache not unlike Hercule Poirot. Just not as fancy.)
Und hier kann man sich im Internet sogar sein "Gepfeife" anhören.
Und im nächsten Teil geht über Bryce und Zion nach Las Vegas.