Eine Reise in den Südwesten im Jahr 1940

Teil 5: Südkalifornien

Nach einem Ausflug zum Boulder Dam geht es weiter Richtung Los Angeles, auf der damaligen Straße 91, der heutigen Interstate 15. Die Joshua-Bäume grüßen:

Doch was hängt denn da am Auto?

Ein sog. "Master Coolaire", eine primitive Art von Air Condition.

Hierzu muss man zunächst erzählen, dass die Strecke durch die Mojave Wüste in alten Reisebeschreibungen bei der Durchfahrt im Sommer als wahre Schreckensfahrt dargestellt wird. Aufgrund der hohen Temperaturen wurde es angeraten, die Strecke zur Schonung von Mensch und Auto nachts zu fahren.

Eine erste Auto-Klimaanlage war zwar schon ein Jahr zuvor im 1939 Packard enthalten gewesen. Sie war aber noch extrem primitiv, u.a. musste man zum Starten und Beenden der Kühlung jedesmal die Motorhaube öffnen. Es sollte noch Jahre dauern, bis wirklich funktionierende Klimaanlagen für Autos gebaut wurden.

Stattdessen behalf man sich eben mit solchen von außen angesetzten Geräten. Das Ganze funktionierte höchst einfach. Im unteren Bereich des Gerätes war Wasser. Dieses stieg in gespannten Stoffbahnen nach oben und verdunstete dort durch den Fahrtwind. Die so entstehende Verdunstungskälte wurde dann in den Wagen transportiert. Ob das wirklich was gebracht hat? Ich habe so meine Zweifel, aber vielleicht erzeugte sie wenigstens etwas kühle Luft.

Unsere Reisenden sind nun in Kalifornien. Leider wird hier das Fotoalbum im Wesentlichen mit Fotos aus Werbebroschüren gefüllt. Aber wir können so in etwa ihre Aktivitäten nachvollziehen.

Los Angeles wird erreicht, dass in den letzten 20 Jahren seine Einwohnerzahl auf 1,5 Millionen verdreifacht hat (heute 3,8 Millionen). Hier übernachten unsere Reisenden wohl zunächst im Mission Inn in Riverside, dem schon 1876 erbauten Luxushotel, das heute unter Denkmalschutz steht.

Was macht man nun in Los Angeles im Jahr 1940? Disneyland wird erst 17 Jahre später eröffnet, die Filmstudios sind eben nur Filmstudios und kein Vergnügungspark.

Zunächst einmal einen Besuch am St. Monica-Beach mit den Villen von Showgrößen

 

und auf dem Weg nach San Diego ein Foto von den Ölfördertürmen des Signal Hill.

Wenn man sich alte Fotoalben anschaut, ist dieses Bild von den Ölfördertürmen eines der Bilder, die man fast in jedem Album findet. Es war wohl eine ganz bekannte Sehenswürdigkeit. Auf diesem Hügel war 1921 zum ersten Mal Öl gefunden worden. Innerhalb kürzester Zeit waren hier weit über 100 Fördertürme im Betrieb, so dass man den Ort auch spöttisch „Stachelschweinhügel“ (Porcupine Hill) nannte. Über Jahrzehnte war hier eines der produktivsten Ölfördergebiete der Welt. Heute sind die Fördertürme verschwunden, aber immerhin die Pumpe der ersten erfolgreichen Bohrung als Historical Landmark erhalten geblieben. Drum herum ist heute ein Wohngebiet.

Und es gab noch eine zweite Sache, die damals ein Muss war: Ein Besuch auf Santa Catalina Island.

Santa Catalina Island, was ist das denn?, fragt sich der heutige USA-Tourist. Trotz ca. 1 Mio Touristen im Jahr, die heute die Insel besuchen, ist sie selbst vielen eingefleischten USA-Fans kaum bekannt. Es handelt sich dabei um eine Insel der Channel Islands vor der Küste von Los Angeles. Mit der Fähre in 1-2 Stunden Fahrt erreichbar, ist sie mit heute 3.000 Einwohnern zum größten Teil im Privatbesitz. Nach wechselvoller Geschichte kaufte William Wrigley, Jr. - Erbe des Kaugummivermögens - 1919 Santa Catalina und engagierte sich für die Förderung der Insel. Durch den Bau des „Casinos“ - eine schöne Art-Deco-Tanzhalle - wurde 1929 der Tourismus angekurbelt. Hier sieht man die Halle rechts auf dem Foto (etwa auf halber Höhe des Fotos).

 

Die noch heute bestehende Tanzhalle im oberen Stock des „Casinos“ hatte Platz für 6.000 Tänzer. Im unteren Stock befand sich das glamouröse Avalon-Filtmheater mit 1.150 Plätzen. Schaut mal hier auf die Homepage - unten auf der Seite sind sehr eindrucksvolle Bilder der Halle.

2 kleine Star-Anekdoten noch dazu:
Während eines Aufenthaltes in einem Baseball-Trainingslager auf Santa Catalina Island nahm ein Reporter des Radiosenders WHO aus Des Moines, Iowa, 1936 erfolgreich an einem Casting für eine Filmrolle teil, mit der seine Schauspielerkarriere begann. Sein Name? Ronald Reagan.

Und eine spätere Schauspielerin lebte kurzzeitig als junge, verheiratete Frau auf Santa Catalina und arbeitete als Babysitterin für ihre Nachbarn. Ihr Name? Marylin Monroe.

Im letzten Teil geht es weiter nach San Francisco.

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