Eine Reise in den Südwesten im Jahr 1940

Teil 6: San Francisco

Wohl nach mehreren Tagen Aufenthalt setzen unsere Reisenden die Fahrt nach Norden in Richtung San Francisco fort.

Nach einem Besuch in der Mission Santa Barbara geht es über den Highway 1 entlang der Big-Sur-Küste. Diese Strecke war nach 18 Jahren Bauzeit und einem Aufwand von an die 10 Millionen Dollar erst in den 30er Jahren fertiggestellt worden. Bis dahin gab es entlang der Küste zwischen San Simeon im Süden und Carmel im Norden aufgrund der direkt ins Meer abfallenden Berge nur Reit- und Fußwege und war daher für den normalen Touristen unerreichbar gewesen.

Unsere Reisenden übernachten unterwegs in der Big Sur Lodge am Pfeiffer Redwood State Park.

Auch diese Lodge war erst mit dem Bau des Highways entstanden. Sie besteht in leicht veränderter Form auch noch heute.

Nach Besuch von Monterey und dem Abfahren des schon damals bestehenden 17-Mile-Drives erreichen unsere Reisenden San Francisco. San Francisco hatte schon 1930 630.000 Einwohner und diese Marke bis 1940 gehalten. Selbst heute hat die Stadt kaum 100.000 Einwohner mehr, was vermutlich mit dem begrenzten Raum zusammenhängt, auf dem die Stadt steht.

Hier steigen die Reisenden im Marina Motel in der Lombard Street ab.

Ich checke mal wieder das Internet. Das gibt es doch nicht, auch dieses Motel existiert 67 Jahre später noch. Nennt sich inzwischen ein „historic motel“ und wird sogar als Übernachtungstip gehandelt. Manchmal ändert sich selbst in einem Land wie den USA nur wenig.

Und dann besuchten unsere Reisenden die Golden Gate International Exposition, die auch als San Francisco World`s Fair, also Weltausstellung, bezeichnet wurde. Diese Ausstellung ist letztlich auch ein Ergebnis der öffentlichen Gegenmaßnahmen gegen die Weltwirtschaftskrise, denn damit feierte San Francisco 1939 und 1940 die Fertigstellung von drei Großprojekten, die gegen die Arbeitslosigkeit helfen sollten. Nämlich den Bau der beiden großen Brücken, der Oakland Bay Bridge und der Golden Gate Bridge, die 1936 und 1937 eingeweiht wurden. Und außerdem wurde dabei an einer flachen Stelle an der Oakland Bay Bridge das sog. Treasure Island als künstliche Insel aufgeschüttet, um später einmal als Flughafen für Wasserflugzeuge zu dienen.

Und auf dieser künstlichen Insel fand dann die Ausstellung statt. Sie stand unter dem Motto der Freundschaft zwischen den Anliegerstaaten des Pazifik, was die 80 Fuß hohe Statue der Pacifica symbolisieren sollte. Hier ist diese Statue auf der Eintrittskarte abgebildet:

 

Der dominierende Bau der Ausstellung war aber der 103 Meter hohe Tower of the Sun (Turm der Sonne).

Nachts war das Gelände von bis zu 1.600 Metern hohen Lichtstrahlen illuminiert, die noch bis zu 100 Meilen entfernt zu sehen waren.
Direkt ins Auge stachen die angelegten Gärten, für die 1200 Gärtner eingestellt waren.
Natürlich stellten sich viele Anrainerstaaten des Pazifik in den Ausstellungsräumen vor, sowohl die amerikanischen wie auch die asiatischen. Mit Ausnahme übrigens von Japan, das in den letzten 10 Jahren durch seine aggressive Expansionspolitik im Pazifik (u.a. dem Überfall auf China) mit den USA immer stärker aneinander geraten war.
Ebenso gab es Ausstellungsräume für Wissenschaft, Luftransport, Kunst etc. etc.

Aber was die Leute wirklich anzog, war die Amüsiermeile, die – man möchte heute angesichts der Entwicklung von San Francisco zur Hochburg der Schwulen schmunzeln – der fröhliche Weg, also „Gayway“ hieß. Und was dort die meisten Leute anzog, war – man mag es kaum glauben – eine Stripshow, nämlich Sally Rand`s Nude Ranch.

Die beteiligten Damen dieser Show waren tatsächlich recht nackt, mit Ausnahme von Cowboystiefeln, sehr kurzen Hosen und weiten Halstüchern, und stellten angeblich das Leben auf einer Ranch nach – das Beschlagen von Pferden, das Reiten von Eseln und – seltsamerweise – das Spielen von Badminton und Basketball.

Bilder von diesen Veranstaltungen gibt es hier.

Wer aber nun glaubt, hier wirklich was zu sehen zu bekommen, wurde wohl leider enttäuscht. Denn wenn es wirklich interessant wurde, verschwanden die Damen hinter Milchglasscheiben, die von hinten angestrahlt wurden. So sah man dann die Umrisse der Damen, aber keine Einzelheiten. Diese Show war so beliebt, dass allein in der ersten Woche der Ausstellung 65.000 Besucher den Eintrittspreis von 25 Cent bezahlten. Böse Zungen erklären sich diesen Erfolg auch damit, dass man besonders großzügig bei der Überprüfung der Ausweise war, so dass viele Jugendliche die Show besuchen konnten.

Tja, man möchte es kaum glauben. Heute wäre so etwas bei einer Weltausstellung wohl kaum noch möglich, schon gar im so prüden Amerika.

Treasure Island diente übrigens ab 1941 nicht – wie ursprünglich gedacht – als Flughafen, sondern mit dem Kriegsbeginn als Militärbasis. Was auch fast bis heute so blieb. In den letzten Jahren ist das Gelände vom Militär geräumt worden und soll nun als neuer Stadtteil von San Francisco zivil und möglichst umweltverträglich erschlossen werden.

Und unsere Reisenden? Sie sind wieder zurückgefahren, ein Kartenausschnitt zeigt, dass sie von San Francisco nach Westen fuhren. Von dieser Rückfahrt wissen wir aber leider nichts, das Fotoalbum endet hier.

Verabschieden wir uns von ihnen mit diesem Bild der Golden Gate Bridge, aufgenommen Blick vom Golfplatz am Palace of the Legion of Honor.

 

Und das war`s............